Viele Menschen haben uns in den letzen Wochen verschiedenste Fragen zum Thema Typisierung, Stammzellentransplantation und mehr gestellt.
Gestern haben wir drei Patinnen deshalb ein Interview mit Peter Waslowski, einem "echten" Stammzellenspender geführt. Wir hoffen, damit den Menschen, die Sorge oder Angst haben, sich typisieren zu lassen, diese zu nehmen.
Wann haben Sie sich denn typisieren lassen? Gab es damals einen speziellen Anlass?
Das ist glaube ich fünfzehn Jahre her. Damals gab es in der Stadt, wo ich studierte, eine Typisierungsaktion, so ähnlich wie am 8.11. hier in Norderstedt. Die DKMS hat im Vorfeld darüber informiert, und ich fand das eine sinnvolle Sache. Ich bin dann mit einem Freund gemeinsam hingegangen. Das war ein guter Start: Wenn man zusammen hingeht, kann man sich gemeinsam informieren und auch austauschen. Am Anfang ist man ja doch unsicher, was da auf einen zukommt.
Und danach hat sich sofort ein Empfänger gefunden?
Nein. Nach der Typisierung habe ich erst mal nur einen netten Brief von der DKMS bekommen. Zu dieser Zeit gab es niemanden, dessen Gewebemerkmale zu meinen gepasst hätten. Die DKMS hat dann den Kontakt nicht abreißen lassen und immer mal wieder über aktuelle Aktionen informiert. Deshalb war es auch ein bisschen aufregend, als einer der Briefe plötzlich nicht die üblichen Informationen, sondern die Nachricht enthielt, dass meine Gewebemerkmale möglicherweise zu denen eines Empfängers passen.
Da waren seit der Typisierung fast zehn Jahre vergangen.
Genau. Die DKMS hat meine erste Blutprobe dann genauer untersucht und festgestellt, dass ich als Spender tatsächlich in Frage komme.
War das für Sie beängstigend?
Nein, eigentlich nicht. Es ist natürlich eine besondere Situation, dass du plötzlich derjenige bist, auf den es ankommt, aber ich hatte volles Vertrauen zu den Leuten, mit denen ich zu tun hatte. Man könnte zu jedem Zeitpunkt seine Zusage zurückziehen, aber das kam für mich nicht in Frage und ich hatte auch gar keinen Anlass dazu.
Also fühlten Sie sich gut betreut?
Gut betreut und vor allem gut informiert. Bei allen Schritten steht das Wohl des Spenders genauso im Mittelpunkt wie das des Empfängers. Wenn es zu irgend einem Zeitpunkt einen Hinweis darauf gegeben hätte, dass es für mich eine Schwierigkeit geben könnte, wäre die Aktion abgebrochen worden. Dann wäre für diesen Empfänger die Suche weiter gegangen.
War die Stammzellentnahme selbst denn unangenehm?
Ich fand das überhaupt nicht. Wer sich überwinden kann, sich bei der Typisierung Blut abnehmen zu lassen, den kann die Stammzellentnahme auch nicht schocken.
Wie lief die Stammzellentnahme denn ab?
Zwei Wochen vor dem geplanten Termin wurde ich in der Entnahmeklinik noch einmal gründlich untersucht. Ich bekam dann ein Medikament mit, das dafür sorgt, dass die Stammzellen sich vermehren und in die Blutbahn wandern. Jeder kennt ja diese leichten Rückenschmerzen bei einem grippalen Infekt, das ist derselbe Vorgang. Bei der Entnahme wurde mir dann Blut abgenommen, gefiltert und wieder zugeführt. Dazu hatte ich eine Kanüle im rechten und eine im linken Arm. Das Ganze ging ungefähr vier Stunden, dann war alles vorbei. Die Betreuung war sehr nett, ich glaube es gibt keine entspanntere Art zu einer Lebensrettung beizutragen.
Gibt es denn noch ein anderes Verfahren?
Ja, manche Patienten benötigen Knochenmark aus dem Becken, dazu wird der Beckenkamm unter Narkose punktiert. Darauf hatte ich keine so große Lust, aber wenn es notwendig gewesen wäre, hätte ich das auch gemacht. Nach zwei Tagen ist der Wundschmerz vergessen, und das entnommene Knochenmark hat sich nach zwei Wochen wieder nachgebildet.
Also geht um Knochenmark und nicht um das Rückenmark.
Um Himmels willen! Ich treffe immer wieder Leute, die Angst vor der Typisierung haben, weil sie denken, dass die Knochenmarkspende etwas mit dem Rückenmark zu tun hat. Es ist dann gar nicht schwer, den Unterschied zu erklären, aber hier ist einfach Informationsarbeit nötig. Dieses Missverständnis kostet Menschenleben, wenn sich Menschen dadurch von der Typisierung abhalten lassen.
Haben Sie erfahren, ob Ihre Spende geholfen hat?
Ja, ich habe recht bald danach erfahren, dass die Behandlung positiv verlaufen ist, und habe auch ein bisschen was über den Empfänger erfahren. Nach drei Jahren bekam ich einen Brief. So weit ich weiß, geht es ihm immer noch gut. Er ungefähr in meinem Alter, hat ebenfalls Kinder.
Das klingt alles so, als würden Sie es sofort wieder tun.
Das stimmt zwar, aber jeder spendet nur für einen Empfänger. Obwohl nach heutigem Wissen die Stammzellspende kein Risiko für den Spender bedeutet, will man die Spender nicht mehrfach belasten.